Berlinale | Wettbewerb - "El Mensaje"
Ein kleines Mädchen, das mit den Tieren sprechen kann, tourt mit seinen Großeltern in einem Campingbus durchs Land. Iván Funds Roadmovie "El mensaje" erzählt die Geschichte dieses ungewöhnlichen Trios in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern und sparsamen Dialogen.
Die kleine Anika (Anika Bootz) kann die Sprache der Tiere verstehen. "In unserer Familie hatten alle Frauen diese Gabe", sagt Großmutter Myriam (Maria Bestelli), die mit den telepathischen Fähigkeiten ihrer Enkelin ihren Lebensunterhalt verdient. Gemeinsam mit Opa Roger (Marcelo Subiotto) fahren die beiden in einem alten Campingbus durchs Land und bieten ihren Service all jenen an, die sich Sorgen um das seelische Wohlergehen ihrer Haustiere machen.
Einsame Igel und deprimierte Kater
Ein Hund, der im Sterben liegt, ein einsamer Igel, der seine Geschwister vermisst und ein deprimierter Kater, der sich darüber ärgert, dass Frauchen ihren Ehemann mit dem Tierarzt betrügt: die Palette der Beschwerden ist breitgefächert – und manchmal scheint es so, als ob die Tiere ganz ähnliche Probleme hätten wie die Menschen. Mitunter reicht Anika einfach nur das Foto eines Tiers, um dessen Psyche zu verstehen - und die verzweifelten Tierfreunde sind nur zu bereit, ihren Ausführungen Glauben zu schenken.
Ein ganz normales Kind
Dabei ist Anika – abgesehen von ihren telepathischen Fähigkeiten – ein ganz normales Kind: Sie liest gerne Comics, glaubt noch an die Zahnfee und wenn im Autoradio die Pet Shop Boys laufen, dreht sie den Regler ganz weit auf. Einzig die Tatsache, dass ihre Mutter nicht an der Reise teilnehmen kann, macht Anika unglücklich. Schließlich ist diese, so erfahren wir im Laufe des Films, in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Dann aber kommt ein kleiner Vogel geflogen und zwitschert dem Mädchen zu, dass ihre Mutter sie liebt - und alles ist wieder im Lot.

Ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Bilder
Regisseur Iván Fund erzählt sein Roadmovie-Märchen mit sparsamen Dialogen und ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bildern (Kamera: Gustavo Schiaffino). Die argentinische Pampa fliegt am Fenster vorbei, große Maisfeldern und weite Ebenen, untermalt von einer schlichten aber gerade deshalb eindrucksvollen Musik (Mauro Mourelos). Mitunter fühlt man sich da an "La Strada" erinnert, auch wenn "El mensaje" nicht die emotionale Tiefe von Fellinis Meisterwerk erreicht.
Atmosphäre der Vertrautheit
Neben der Hauptdarstellerin, die die Geschichte mit ihrem kindlichen Charme vorantreibt, überzeugen auch Marcelo Subiotto als wortkarger Großvater und Mara Bestelli als geschäftstüchtige Chefin des kleinen Familienunternehmens. Dass alle drei Regisseur Iván Fund gut kennen und Subiotto und Bestelli auch schon bei seinem letzten Film mit ihm zusammengearbeitet haben, schafft eine Atmosphäre der Vertrautheit, die der Geschichte zugute kommt.
Das Politische bleibt außen vor
"El mensaje" ist ein poetischer, sehr kontemplativer Film über ein ungewöhnliches Trio, das sich außerhalb von Raum und Zeit zu bewegen scheint. Das ist schön anzusehen, auch wenn die politische und soziale Dimension ihrer Existenz außen vorbleibt. Zu einer bislang quasi apolitischen Berlinale passt dieser Film jedenfalls ausgezeichnet.
Carsten Beyer, radio3