Meo Wulf und Christine Groß © ALAA ELKAMHAWI
ALAA ELKAMHAWI
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Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz - "Conni und Clyde" von Meo Wulf

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Große Liebe ist das Thema der neuen Volksbühnen-Produktion "Conni und Clyde", und es ist kein Zufall, dass der Titel sehr nach Bonnie und Clyde klingt, dem berühmten Gangsterpaar, das 1934 in den USA von Kugeln durchsiebt wurde. Die Regie liegt in den Händen der Drag-Künstlerin Meo Wulf, die auch selbst auf der Bühne steht.

Wenn Conni und Clyde zu Bett gehen, schieben sie sich ihre Zahnschienen in den Mund, ruckeln ihre Herzkissen im Nacken zu Recht und freuen sich auf den nächsten schönen gemeinsamen Tag. Beide in rosa Pyjamas, rosa Fellpuschen, mit hochtoupiertem Haar – queere Look-Alikes ohne klare Männer- oder Frauenrolle.

Conni und Clyde - ein Liebespaar, glücklich vereint in ihrem Eskapismus

Conni und Clyde haben zunächst rein gar nichts mit dem berühmten Gangsterpaar Bonnie und Clyde zu tun, das mordend und raubend durch den Süden der USA zieht. Ein unzertrennliches Liebespaar sind sie aber durchaus. Sie entziehen sich der düsteren Welt, sind sich selbst genug. Und während Conni im puschligen, kuschligen Wohnzimmer mit Samtwänden und hübscher Cocktailbar davon träumt, ein Star zu werden und Clyde das Blumenbeet umsorgt, könnten sie glücklicher nicht sein in ihrem Eskapismus.

Der junge Schauspieler und Drag-Artist Meo Wulf hat mit "Conni und Clyde" sein erstes Stück fürs große Publikum geschrieben und zeigt an der Berliner Volksbühne nun gemeinsam mit deren Ensemble-Star Christine Groß eine trashige Liebeskomödie, eine Mischung aus Comedy und Drag-Show.

Conni & Clyde von Meo Wulf Mit: Christine Groß, Meo Wulf Text & Regie: Meo Wulf Bühne: Mayan Tuulia Frank Kostüme: Johannes J. Jaruraak „Hungry“ Licht: Florian Brückner, Denise Potratz Dramaturgie: Leonie Jenning © Lukas Städler
Bild: © Lukas Städler

Ende der Idylle - Umzug in den Keller

In die heile Welt des Paares fällt ein winziger Maulwurf. Clyde möchte ihn behalten. Sie tauft ihn Conni, schenkt ihm ein Mini-Schlagzeug und bringt ihm das Spielen bei – was den echten Conni rasend eifersüchtig macht. Zudem, das ist der thematische Überbau, macht Conni Clyde ein verheerendes Geschenk: ein Handy. Conni beginnt, die Nachrichten zu lesen. Und so fällt die böse Welt in die Idylle des glücklichen Paares.

Aus Eifersucht und aus Überdruss an Clydes Medienkonsum zieht Conni in den düsteren, kalten Keller. Da dort eine Toilette fehlt, schafft es Conni in einer neuerlichen analen Phase, mit viel Kotgeschmiere ihre Fäkalphobie zu überwinden. Ein Fan von Fäkal-Humor muss man an dieser Stelle schon sein, um der ausufernden Szene etwas abzugewinnen.

Der Plot ist simpel, möchte aber die ganz großen Fragen stellen

Der Plot ist simpel, möchte aber, das ist im ambitionierten Programmheft mit vielen Hannah-Arendt-Zitaten nachzulesen, die ganz großen Fragen stellen: Wie ist Liebe in unserer krisengeschüttelten Welt möglich? Und: Was ist gut und was ist böse – kann man der Welt etwas anderes entgegensetzen als gewaltvollen Widerstand? Ist privater Rückzug gut, oder liegt gerade in der Gleichgültigkeit gegenüber der Welt und dem Nicht-Urteilen-Wollen die Banalität des Bösen?

Auf der Bühne sieht man diese Themen höchstens am Rande stichwortartig verhandelt, der Text bleibt für den großen Überbau deutlich zu flach, trotz manchem Fassbinder-Zitat. Und dient eher zum Anlass für die Drag Show, die dann auf der Bühne stattfindet.

Das Publikum feiert die unterhaltsame, trashige Drag-Comedy

Zuerst sind von Drag-Kunst nur kleine Einsprengsel zu sehen: Meo Wulf, der einen Schlager und Zitate aus Trash-TV-Shows in Lip-Synch vorführt etwa – eine Drag-Art-Tradition, bei der Songs zwar groß performt werden, beim Singen aber nur die Lippen bewegt. Sobald Conni jedoch in den Keller zieht, beginnt eine lange Meo-Wulf-Solo-Show in Glitzer-Unterwäsche, High-Heels, mit Sprüngen und choreografischen Einlagen zu schmissigen Discohits.

Dabei nimmt sich der Abend, das ist schön, immer wieder selbst auf die Schippe. Zu Volksliedern und Gejodel liefert Christine Groß die gefakten Trompeten- und Akkordeon-Soli. Eine unterhaltsame, trashige Drag-Comedy, die vom Publikum gefeiert wird und durchaus ihren Charme hat.

Conni & Clyde von Meo Wulf Mit: Christine Groß, Meo Wulf Text & Regie: Meo Wulf Bühne: Mayan Tuulia Frank Kostüme: Johannes J. Jaruraak „Hungry“ Licht: Florian Brückner, Denise Potratz Dramaturgie: Leonie Jenning © Lukas Städler
Bild: © Lukas Städler

Flache Satire trifft auf kleine, rührende, persönliche Szenen

Inhaltlich darf man allerdings nicht zu viel erwarten und den Abend in seiner politisch fragwürdigen Aussage nicht allzu ernst nehmen. Denn zuletzt werden aus "Conni und Clyde" dann doch noch "Bonnie und Clyde". Clyde tritt bei der Linken ein – und überredet Conni, mit selbstgestrickten Verbrechermützen, pinken Äxten und Atombomben loszuziehen, um die "Killer" zu "killen". Die "Killer" – das sind hier ausschließlich europäische Politiker. Satire natürlich, allerdings eine flache.

Eindringlicher sind da die kleinen, rührenden, persönlichen Szenen. Etwa, wenn Conni im Keller aus Einsamkeit mit einem Riesenbaby aus Plüsch kuschelt und ihm einhämmert, sich jetzt endlich entscheiden zu müssen: rosa oder blau, Junge oder Mädchen! Solche Momente sind schön, aber rar.

Barbara Behrendt, radio3

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